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IG wehrt sich auch gegen neues Umfahrungsprojekt

Die IG querfeldNein spielte beim Kantonsrats-Nein zur Talstrasse im November 2014 eine entscheidende Rolle. Nun meldet sie sich zurück – mit
praktisch identischen Argumenten wie damals. Sie wehrt sich gegen die Idee einer Südumfahrung von Hochdorf, welche die Seetaler Gemeinden, vorab Hochdorf, und die Idee Seetal im Einklang mit dem Kanton vorschlagen. Das Projekt soll ins kantonale Strassenbau-Mehrjahresprogramm 2019 bis 2021 aufgenommen werden. Der «Seetaler Bote» nimmt das Thema in seiner heutigen Ausgabe (11. Januar 2018) auf; wir geben den Beitrag von Redaktor Claudio Brentini hier ungekürzt wieder.

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IG wehrt sich gegen Umfahrungsstrassen

Im kürzlich präsentierten Gesamtverkehrskonzept setzen die Gemeinde und der Kanton auch auf Umfahrungen. Eine Idee, welche die «IG querfeldNein» als rückständig bezeichnet.

von Claudio Brentini

Für die IG querfeldNein war der Entscheid des Kantonsrates Ende November 2014, die Talstrasse aus dem kantonalen Strassenbauprogramm zu kippen, ein Sieg auf ganzer Linie. Im Vorfeld hatte die IG Stimmen mobilisiert, mit Aktionen, wie einer Begehung der geplanten Streckenführung und einer Petition für ein Nein zur Talstrasse auf sich aufmerksam gemacht. Nach der Abfuhr signalisierte die IG die Bereitschaft, in Zukunft mitdenken und damit mithelfen zu wollen, die Verkehrsprobleme im Seetal anzugehen. Fredy Winiger, damals Verwaltungsratspräsident der Idee Seetal AG, betonte kurz nach der Kantonsratsentscheidung, dass es gut wäre «wenn die IG in der sogenannten Begleitgruppe vertreten wäre und damit den gleichen Informationsstand hätte wie die Idee Seetal AG oder die betroffenen Gemeinden.»

«Mehr Strassen, mehr Verkehr»
Mittlerweile haben die Gemeinden, gemeinsam mit dem Kanton und der Idee Seetal ein Gesamtverkehrskonzept entwickelt (der «Seetaler Bote» berichtete), die IG querfeldNein wurde aber nicht mit einbezogen, was die Verantwortlichen verwundert. «Wir haben im Januar 2016 einen Workshop mit den Gemeinden und der Idee Seetal durchgeführt und so gezeigt, dass wir mitdenken und uns einbringen wollen», erklärt Dominik Thali von der IG. Nun läuft die Vernehmlassung zum Bauprogramm 2019 bis 2022. Es geht dabei darum, welche Massnahmen des Gesamtverkehrskonzepts im Programm aufgenommen werden. Unter den vorgeschlagenen Massnahmen befinden sich auch Umfahrungsstrassen, zum Beispiel die Südumfahrung in Hochdorf. Darüber können die Verantwortlichen der IG nur den Kopf schütteln. «Mehr Strassen generieren mehr Verkehr. Das weiss man seit vielen Jahren und das sieht man vielerorts mehr als deutlich», sagt Klaus Helfenstein von der IG. «Warum man nun wieder auf diese rückwärtsgewandte Massnahme setzt, ist mir schleierhaft.» Für Dominik Thali indes ist klar: «Letztendlich ist das Verkehrsproblem mit baulichen Massnahmen nicht zu lösen, das ist die simple Wahrheit. Es wäre wohltuend, wenn mal jemand aus dem Gemeinderat oder vom Kanton den Mut hätte, dies zuzugeben.» Eine Bestätigung für diese Sichtweise kommt von höchster Stelle. Regierungsrat Robert Küng sagte in einem Interview im Februar 2016 gegenüber dieser Zeitung: «Aus heutiger Sicht gibt es kein Rezept und darum stehe ich dazu, dass wir mit dem Verkehr leben müssen. Alles andere ist eine Illusion.» Für ihn sei klar, dass der Leidensdruck auf den Strassen einfach noch nicht gross genug zu sein scheine, «sonst würde man gesellschaftlich neue Modelle suchen, mit anderen Arbeitsmodellen und -zeiten, Flexibilisierung von Unterrichtszeiten und dergleichen. Es braucht eine veränderte Sichtweise auf das Thema Mobilität, ein Verständnis, dass nicht immer der bequemste Weg der richtige ist.»

«Vollendete Tatsachen»
Während des Workshops im Januar 2016 habe der Gemeinderat von Hochdorf die IG querfeldNein ausdrücklich aufgefordert, sich konstruktiv einzubringen und nicht zum Vornherein «gegen alles» zu sein, erzählt Dominik Thali. «Nun, damit die IG querfeldNein dies hätte tun können, hätte sie von Beginn weg ernst genommen und einbezogen werden müssen. Da dies weder die Gemeinden, die Idee Seetal noch der Kanton taten, sieht sich die IG vor vollendete Tatsachen gestellt, gegen die sie sich wiederum wehren muss, will sie den Anliegen ihrer Unterstützer Rechnung tragen.» Für die IG sei es stossend, dass mit der Umfahrung die Idee einer Strasse mitten durch ein Landwirtschafts- und Naherholungsgebiet erneut vorangetrieben wird – gegen den erklärten Willen der Bevölkerung und des Kantonsparlaments. «Wir haben mit dem Workshop, welcher vom Raum- und Verkehrsplaner Martin Wälti begleitet wurde, versucht, neue Wege aufzuzeigen. Nichts davon wurde aufgenommen», betont Klaus Helfenstein. Für ihn ist klar: «Es sind dieselben Planer, welche damals die Talstrasse mitten durch Kulturland führen wollten. An ihrer Denkweise hat sich nichts geändert.»
Der Auftrag nach dem Aus der Talstrasse lautete, eine Lösung auf der bestehenden Achse anzugehen. «Eine Umfahrung wie die Südumfahrung ist weit weg von der bestehenden Achse», betont Thali. Sein Kollege Helfenstein bezweifelt zudem, dass eine Umfahrung das Zentrum zum Beispiel wesentlich vom Schwerverkehr entlasten würde. «Das meiste ist Quell- und Zielverkehr, also hausgemacht. Da hilft keine Umfahrung.»
Die Südumfahrung würde, wie damals die geplante Talstrasse, in der Industriestrasse weitergeführt. «Schon damals im Zusammenhang mit der Talstrasse haben wir darauf hingewiesen, dass dies problematisch ist», erklärt Klaus Helfenstein. Die Industriestrasse sei ein wichtiger Schulweg und durchquere ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung. Den Umfahrungsverkehr auf dieser Strasse zu führen wäre eine Belastung für die Natur und eine Gefahr für den Schulweg darstellen.

«Es braucht ein Umdenken»
Sowohl Thali wie auch Helfenstein bezeichnen das Vorgehen der Gemeinden, der Idee Seetal und des Kantons als verpasste Chance. «Es braucht ein Umdenken und neue Modelle», sagt Dominik Thali. So zum Beispiel Firmen, die bereit wären, mit ihren Mitarbeitenden über Fahrgemeinschaften zu reden und dafür Anreize zu schaffen. Immerhin habe der Gemeinderat Hochdorf solche Ansätze im Verkehrsbericht unter der Strategie «Organisation» aufgenommen. «Der Claim ‹Mehr als ein Zentrum› könnte bedeuten, dass Hochdorf beim Thema Verkehr neue, innovative Wege gehen würde. Anscheinend fehlt dazu aber der Mut – oder der Wille.»

Nun hofft die IG auf die Kantonspolitiker, dass diese wie damals bei der Talstrasse ein Zeichen setzen und dem Konzept von Umfahrungsstrassen eine Abfuhr erteilen. Die Vernehmlassung zum Bauprogramm endet am 26. Januar. Nicht nur die IG querfeldNein wird gespannt sein, welche Projekte vom Gesamtverkehrskonzept ins Strassenbau-Programm aufgenommen werden.

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