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Das Seetal, sein Verkehr und der politische Wille

«Welche Mobilität braucht das Seetal?» Unter diesem Titel lud die Idee Seetal AG am 24. März zum Gespräch. Die bemerkenswertesten Voten fielen am Anfang und am Schluss. Die IG querfeldNein filtert aus den zwei Stunden acht Punkte:

  1. Die Idee Seetal akzeptiert den Kantonsratsentscheid vom 5. November 2014 vorbehaltlos: «Das Projekt Talstrasse ist erledigt», sagte Verwaltungsrätin Daniela Ammeter Bucher, Hochdorfer Gemeinderätin.
  2. Der kombinierte Verkehr (Zug für längere Strecken, Auto und Velo für die letzte Meile), Autos teilen statt besitzen, Mitfahrbörsen, neue Mobilitätswerkzeuge wie Elektro-Lastenvelos, vernetzte Autos: Das sind Megatrends, wie Peter Goetschi, Zentralpräsident des Touring-Clubs Schweiz, ausführte. Der Raum- und Verkehrsplaner Martin Wälti vom «Büro für Mobilität AG» in Burgdorf ergänzte: «Die grossen Veränderungen finden nicht bei den Infrastrukturen statt, sondern in der Software.» Wälti forderte, die öffentliche Hand müsse ihre Investitionen danach planen und «sich nicht nach Lösungen der Vergangenheit richten».
  3. Dass eine andere Mobilität auch auf dem Land möglich ist, beweist das Projekt «Emmental bewegt», das Martin Wälti vorstellte. Emmental und Seetal seien durchaus vergleichbar. Perle des Berner Projekts ist die Mobilitätszentrale beim Bahnhof Burgdorf, in der Elektrovelos ebenso gemietet werden können wie Sitzungszimmer oder es Duschen und eine Werkstatt gibt. Aufgebaut wurde auch ein Hauslieferdienst für Einkäufe beim Grossverteiler. Oder: In Zusammenarbeit mit der Post wird von hier aus der Expressdienst versehen.
  4. Visionen entwickeln, planen, handeln: «Das ist das, was wir vor 20 Jahren als Trend angeschaut haben», sagt Martin Wälti, wenn er das Programm von «Emmental bewegt» und die Dienstleistungen der Burgdorfer Mobilitätszentrale erklärt.  Er spricht von einem Reduktionspotenzial des motorisierten Individualverkehrs von 10 bis 15 Prozent. Das Wichtigste aus seiner Sicht: «Daran glauben und die Planung entsprechend steuern.»
  5. «Das Wichtigste ist der politische Wille», betonte Martin Wälti. Auch im Emmental machten noch nicht alle Gemeinden mit, das Potenzial sei deshalb «noch lange nicht» ausgeschöpft. Gerade bei den kurzen Strecken sei dieses aber «riesig».
  6. Wie gross die Skepsis (auch) im Seetal gegenüber Massnahmen ist, die sich nicht in Beton giessen lassen, sondern ein Umdenken erfordern, zeigte die mit einem kritischen Unterton vorgebrachte Frage eines Gemeinderats: «Funktioniert Ihre Vision, Herr Wälti?» Der Angesprochene weiss wohl, dass das Steuer erst im Kopf herumgerissen werden muss und wie schwierig dies zu erreichen ist. Wälti berichtete von seinem Nachbarn, mit dem er jeweils Tennis spielen gehe: Der sei in der SP, habe aber drei Autos und fahre jeweils motorisiert die paar Meter zum Training. Beim Duschen vergleiche er dann seinen wachsenden Bauchumfang mit demjenigen seines Trainingspartners und frage sich, weshalb er, Wälti, noch immer rank und schlank sei.
  7. Wohl weil sich viele bei dieser Anekdote ertappt fühlten, wurde nur verhalten darüber gelacht. Gesprächsleiter Diego Yanez fasste darauf hin zusammen, was Sache ist: «Wenn jeder Einzelne in seinem Verhalten ein gewisses Mass an Vernunft bewiese, wäre schon viel erreicht.»
  8. Idee-Seetal-Geschäftsführerin Anita Dietrich schliesslich meinte: «Das Seetal muss aktiv werden und sich um eine gute Lösung bemühen, damit ihm am Ende nicht irgendeine Lösung von der Politik aufgezwungen wird.» Auch das stimmt.

An dem Anlass im Brauisaal nahmen um die 60 Personen teil, davon viele Mitglieder von Gemeinderäten und des Kantonsrats. Das Publikum kam zwar nur in den letzten zehn Minuten zum Zug, sodass lediglich drei Fragen gestellt werden konnten. Im besten Fall hat der Abend aber in ein paar Köpfen den richtigen Schalter gekippt. Dann war der 24. März 2015 nach dem 5. November 2014 der zweite Meilenstein für eine nachhaltigere Seetaler Verkehrspolitik.

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