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Eine neue Strasse – aber kein einziges Auto weniger

Der Gemeinderat Hochdorf hat am 30. April 2017 seine Strategien bekanntgegeben, mit denen er das Dorfzentrum vom Verkehr entlasten will. Eine davon ist eine kleine Südumfahrung bis Ballwil. Dominik Thali und Klaus Helfenstein vom querfeldNein-Kernteam haben darauf mit Leserbriefen im «Seetaler Bote» vom 6. April 2017 reagiert. Wir veröffentlichen diese hier im Wortlaut.

Leserbrief 1:

Der Strassenbau-Trugschluss

Der Gemeinderat Hochdorf hat aus den fünf Strategien des Verkehrsberichts einen Massnahmenplan verabschiedet. Hauslieferdienste, Fahrgemeinschaften, mehr öffentlicher Verkehr, der Bahnhofplatz als Mobilitätszentrale: Das sind gute Ideen. Die Massnahme Südumfahrung (nach dem Nein des Kantonsrats zur Talstrasse ohnehin ein dreister Vorschlag) steht indessen für den vergeblichen Versuch, die Verkehrslawine, die der Gemeinderat mit ausgelöst hat (Stichwort 10’000-Einwohner-Strategie), mit einem Mittel abzubremsen, von dem man längst weiss, dass es nicht wirkt: mit einer neuen Strasse. Denn diese wird unter dem Strich vor allem eines tun: den motorisierten Verkehr fördern. Sobald man mit dem Auto wieder gut vorankommt, benützen es auch wieder mehr Leute. Das Seetal wird mit der Südumfahrung automobiler, der Verkehr nimmt zu und wird die Gebiete stärker belasten, die vor oder nach der Umfahrung liegen. Selbst wenn die Strasse in einen Tunnel verlegt wird: an dessen Ende taucht der Verkehr wieder auf. Wir hätten schliesslich eine neue Strasse, kein einziges Auto und keinen einzigen Lastwagen weniger, dafür Landwirtschaftsland und ein Naherholungsgebiet mutwillig zerstört.

Der Burgdorfer Verkehrsplaner Paul Hasler (www.utopien.com) schreibt: «Das erinnert an die Praxis der Abfallentsorgung. Was man früher über die Stadtmauer warf, brachte man ein paar Jahrzehnte später in den nahen Wald, um es dort zu entsorgen. Derzeit scheinen wir beim Verkehr in diesem Stadium zu stecken. Wir sind bereit, unsere nahe Umgebung für die Deponie von Verkehrsabfällen zu missbrauchen.»

Das Seetal (und nicht nur diese Region) kann sein Verkehrsproblem mit dem bestehenden Verkehrsvolumen gar nicht nachhaltig lösen. Es braucht ein Umdenken im persönlichen Mobilitätsverhalten und Richtungsänderungen in der Politik.

Dominik Thali-Egger, Hochdorf

Leserbrief 2:

Kein Kreisel für Eschenbach…

…aber eine Umfahrung von Hochdorf?

Ein Kreisel beim Knoten Klosterkirche in Eschenbach würde den Umfahrungsverkehr der Agglomeration Luzern begünstigen. So werden die Verkehrsplaner im Seetaler Bote vom 30. März 17 zitiert. Diese Verkehrsexperten zeigen damit einmal mehr auf, dass höhere Kapazitäten auf Strassen mehr Verkehr bringen und damit die Stauprobleme innert weniger Jahre wieder auf das vorherige Niveau ansteigen lassen – eine Tatsache, die Experten längst bekannt ist. Also soll mit dem Verzicht auf einen Kreisel in Eschenbach die Attraktivität für eine Umfahrung von Luzern und damit für zusätzlichen Verkehr nicht erhöht werden.

Einen konträren Ansatz verfolgt Hochdorf. Hier wird auf eine neue Umfahrung durch Kulturland gesetzt, die sicher mehr Verkehr ins Seetal bringen wird. Autofahrer können dann dem Knoten in Eschenbach ausweichen indem sie von Inwil über Ballwil – Hochdorf – Hildisrieden nach Sempach fahren.

In Eschenbach stünden einem Kreisel zudem denkmalpflegerische Argumente entgegen – es soll das Gesamtbild von Kloster und Pfarrkirche bewahrt werden, also ein kunsthistorisch bedeutsames Ensemble, das unsere Vergangenheit repräsentiert. Dies hat durchaus seine Berechtigung, unsere Gesellschaft fühlt sich diesen Vermächtnissen verpflichtet. Aber ebenso müssen wir lernen, dass Kulturland, Naherholungsgebiete und – in der Fortsetzung der Umfahrung über die Industriestrasse – auch die Naturschutzgebiete am Südufer des Baldeggersees nicht einfach dem Mehrverkehr geopfert werden dürfen. Dazu sind wir unseren Nachkommen und dem Seetal, also der Zukunft unseres Lebensraumes, mindestens ebenso verpflichtet.

Mit dem Verzicht auf den Kreisel setzt Eschenbach auf eine zukunftsgerichtete Verkehrspolitik, das Konzept von Umfahrungsstrassen hingegen stammt aus den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts!

Klaus Helfenstein, Hochdorf

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für das Engagement.
    Querfeldein sollte nochmals das direkte Gespräch mit dem GR von Hochdorf suchen.
    Die alten Verkehrslösungen haben versagt.
    Nun gilt es, das alternative Denken zu fördern. Querfeldein hat genug Ideen.

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